[MARK-Blog] Missed The Last 24 Times » Interview mit Künstlerin Julia Zöhrer

„Die Personen im Hintergrund machen oft interessantere Sachen als die im Vordergrund“

Am 20. April wurde mit der Ausstellung „Missed The Last 24 Times“ von Julia Zöhrer unser Jahresschwerpunkt PERIPHERIE (DA/Dort) eröffnet. Im Vorfeld der Ausstellung haben wir uns mit der Künstlerin zusammengesetzt und ihr einige Fragen rund um die Ausstellung und ihre Werke gestellt.

Von links: Gerd Pardeller (MARK) mit Künstlerin Julia Zöhrer und Daniel Toporis, Bildhauer und Aktionskünstler, der am 20. April die Eröffnungsrede zum Jahresschwerpunkt PERIPHERIE hielt.

MARK: Du betreibst auch einen Blog https://juliazoeh.wordpress.com/, wo einige deiner Werke zu sehen sind, warum nennst du deinen ArtBlog Hirseball?

Julia: (schmunzelt) … Der Blog ist aus einem Scherz entstanden. Ich esse einfach Hirsebällchen sehr gerne. Ich benannte ihn dann damals so und später ändert man den Namen halt auch nicht mehr.

MARK: Auf deinem Blog sieht man, dass du dich neben Zeichnungen, auch mit Malerei, Texten und Fotos beschäftigst. Bearbeitest du mit allen Kategorien dieselben Themen oder hat jede Kategorie ihr eigenes?

Julia: Am Anfang war es sicher so, dass ich eher die Form mit einem bestimmten Thema bearbeitet habe. Das lag auch daran, dass ich hier noch nicht so sicher war. Aber mittlerweile fließt beispielsweise das Thema PERIPHERIE in alle Formen ein.

(c) Julia Zöhrer

MARK: Was bedeutet für dich PERIPHERIE und warum hast du dich mit diesem Thema auseinandergesetzt?

Julia: Im letzten Jahr war diesen Thema einfach sehr zentral, einerseits durch die Flüchtlingsthematik, aber auch generell werden Menschen einfach heutzutage sehr schnell kategorisiert. Dies führt dazu, dass bestimmte Gruppen schnell an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Unter PERIPHERIE verstehe ich Menschen oder Gruppen die von der Gesellschaft nicht gerne gesehen werden und sich eher am Rande einer Gesellschaft bewegen.

MARK: Hast du dich immer schon mit dem Thema PERIPHERIE auseinandergesetzt oder kam das erst im Laufe deiner Arbeit immer stärker durch?

Julia: Am Anfang habe ich mich eigentlich eher mit dem Thema Familiengeschichte und Familienbilder beschäftigt. Ich habe mir alte Familienfotos angesehen und geschaut was die Personen die im Hintergrund des Bildes sind machen. Da ist mir aufgefallen, dass die Personen die im Hintergrund sind oft interessantere Sachen machen als die Personen im Vordergrund.

MARK: Gibt es ein Bild im Rahmen der Ausstellung „Missed The Last 24 Times“, dass für dich am zentralsten das Thema PERIPHERIE widerspiegelt?

Julia: Für mich zeigt sich im Bild vom Bahnhof am besten das Thema Peripherie. Hier habe ich ein Foto vom Bahnhof gemacht und es zeigt sich wie stur die Menschen auf dem Bild zur Bushaltestelle gehen, ohne das Rundherum wahrzunehmen. Denn jeder ist im Alltag für sich, obwohl rundum um einen sich die Masse bewegt.

Das Interview führte Isabella Piekarz.

Die Ausstellung von Julia Zöhrer kann noch bis zum 18. Mai 2017 zu den Öffnungszeiten im MARK Salzburg besichtigt werden. Um das Thema PERIPHERIE noch genauer erarbeiten zu können, findet am 17. Mai 2017 um 18 Uhr ein Workshop zu diesem Thema im MARK Salzburg statt. Der Workshop wird sich auf Grundlage der Ausstellung „Missed The Last 24 Times“ mit dem Thema „Was ist Salzburg für mich?“ beschäftigen. Wer Interesse hat an diesem Workshop teilzunehmen, bitten wir sich unter presse@marksalzburg.at anzumelden.