PERIPHERIE (Da/dort) – Jahresschwerpunkt 2017

Das MARK.freizeit.kultur ist ein Kulturzentrum am Stadtrand von Salzburg. Der Stadtteil Sam befindet sich im Norden der Stadt und ist im Bewusstsein vieler Salzburgerinnen und Salzburger „Peripherie“, weit draußen oder gar nicht präsent. Das Kulturzentrum selbst befindet sich in einem Gewerbegebiet. Zwischen Lagerhallen und Großhandel findet auf zwei Stockwerken Kulturarbeit statt: Aufgrund der Wurzeln des Vereins MARK mit dem besonderen Anspruch, Menschen zu erreichen, die den Weg zu etablierteren Kultureinrichtungen aus unterschiedlichen Gründen scheuen bzw. den Zugang dorthin noch nicht gefunden haben. Im MARK wird niederschwelliger Kontakt zu unterschiedlichsten Kunstformen und Genres ermöglicht, nicht nur als „KonsumentIn“, sondern explizit auch mit dem Anspruch, zur Partizipation zu motivieren.

Im MARK finden seit mehreren Jahren monatlich wechselnde Ausstellungen statt: Das obere Stockwerk des Kulturzentrums wechselt je nach Künstlerin/Künstler sein Gesicht – Fotografie, Malerei, Drucke, aber auch Skulpturen und Lichtinstallationen waren in den letzten Jahren Teil des Programms.

2017 steht das „MARKart“-Programm erstmals unter einem übergreifenden Motto:
Dem voraus ging ein Call für interessierte Künstlerinnen und Künstler in ganz Österreich. Ein Beirat wählte schließlich fünf KünstlerInnen aus, die im Laufe des Jahres 2017 Ausstellungen rund um das Thema „Peripherie“ in der Hannakstraße 17 gestalten werden. Neben Vernissagen sind während der Ausstellungsdauer auch begleitende Workshops für interessierte Gruppen geplant.

Die ersten Ausstellungen zum Jahresschwerpunkt:

20. April 2017 bis 18. Mai 2017: Julia Zöhrer – Missed the Last 24 Times

24. Mai 2017 bis 29. Juni 2017: Julia Bugram – von mir zu dir

13. Juli 2017 bis 7. September 2017: David Meran – „Es gibt nichts Neues unter der Sonne, aber jeden Tag scheint die Sonne neu.“

Öffnungszeiten

Das MARK hat zu folgenden Zeiten geöffnet – zu den Öffnungszeiten können auch die Ausstellungen kostenfrei besucht werden:
Di 10-17 Uhr
Mi 10-13 Uhr sowie jeden 1. Mittwoch im Monat von 17:00 bis 23:00 Uhr
Do 10-13 Uhr, 17-24 Uhr
Fr 17-21 Uhr
Sa 17-21 Uhr

(Bei Veranstaltungen ist Do/Fr/Sa anlassbezogen bis 5 Uhr geöffnet. An Feiertagen hat das MARK geschlossen.)

Öffnungszeiten auf der Homepage: http://www.marksalzburg.at/oeffnungszeiten/

Ausgangslage – die Peripherie

Das MARK liegt abseits, der Stadtteil Sam ist jener, der auf herkömmlichen Stadtplänen oft gar nicht mehr eingezeichnet ist. Salzburg endet in der Wahrnehmung vieler bei den Eisenbahngleisen, die die Stadt durchschneiden, und das MARK liegt ein gutes Stück dahinter. Hinter dem MARK wiederum liegt eine Wiese und ein Hundeabrichteplatz, dahinter fließt der Alterbach durch das „Samer Mösl“, darum herum gruppieren sich Wohnsiedlungen mit Einfamilienhäusern inmitten kleiner Gärten – und dazwischen versteckt sich, vermutlich aus historischen Gründen, der Camping-Platz Nord-Sam (direkt zwischen zwei Einfamilienhäusern).


Das MARK.freizeit.kultur ist seit 2009 im Gewerbegebiet Sam angesiedelt, in den sogenannten „Hannakgründen“, benannt nach einer Bauunternehmer-Familie, der große Teile dieser Gegend gehören. Der Weg zu diesem Standort war kein ganz einfacher – das MARK, gegründet 1966, hat in Salzburg keinen ganz einfachen Stand. Begonnen hat der Verein als Treffpunkt für Präsenzdiener unter dem Dach der Katholischen Aktion, wurde in den 1980er Jahren schließlich zu einem klassischen Jugendzentrum, initiierte mehrere Beschäftigungsprojekte für langzeitarbeitslose Jugendliche. Mit der Loslösung von der Erzdiözese Ende der 1990er Jahre änderte sich die Ausrichtung: Das MARK war ab diesem Zeitpunkt kein Jugendzentrum mehr, sondern konzentrierte sich auf den Bereich Kultur und bietet seither niederschwellig Veranstaltungen im Bereich Musik, Literatur, Theater, Bildende Kunst & projektbezogen auch anderen Kunstformen. Prinzipiell sind alle Veranstaltungen offen konzipiert, bestimmte Projekte richten sich aber auch an ausgewählte Zielgruppen (z.B. Videoprojekte mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, Malprojekt mit Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen u.ä.). Wesentlicher Kern unserer Arbeit ist das Ziel, Menschen unterschiedlicher Lebenswelten nicht nur den Zugang zu kulturellen Veranstaltungen zu ermöglichen, sondern sie aktiv darin zu bestärken, selbst künstlerisch tätig zu werden. Wir verstehen uns daher als Plattform für junge Künstlerinnen und Künstler.
Alle Angebote in unserem Haus sind gekennzeichnet davon, dass wir keine wie auch immer gearteten Barrieren aufbauen möchten – weder finanzieller, noch sprachlicher, noch sozialer Natur.


Unsere Besucherinnen und Besucher sind nicht Teil der Salzburger Hochkultur. Es sind unter anderem immer wieder auch Menschen, die um ihren Platz im Leben und in dieser Stadt ringen. Oft befinden sie sich in prekären Lebenssituationen. Sie kommen zu uns, weil wir in unseren Räumlichkeiten die Möglichkeit bieten, sich auch ohne Konsumzwang aufzuhalten und auszutauschen – und mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, Ideen zu diskutieren und in Form von kleineren oder größeren Projekten umzusetzen. Das hauptamtliche Team des Vereins unterstützt bei Planung und Organisation, initiiert aber auch selbst Projekte und Veranstaltungen. Der Betrieb des Hauses stützt sich wesentlich auf ein Team ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aber nicht nur ihre Arbeitskraft einbringen, sondern das MARK vielfach auch als Plattform für eigene Kunstprojekte nutzen.

In den Jahren 2007 bis 2009 war der Verein intensiv auf der Suche nach einem neuen Standort, da die genutzten Räumlichkeiten im Süden der Stadt einem Autohaus weichen mussten. In dieser Phase gab es viel, auch offen geäußerten Widerstand gegen den Verein: Mehrere mögliche Objekte konnten aufgrund von AnrainerInnenprotesten im Vorfeld nicht in Anspruch genommen werden. Die Vorstellung eines von jungen Menschen betriebenen Kulturzentrums mit Veranstaltungsbetrieb in der unmittelbaren Nachbarschaft war für viele unerträglich. Aufgrund der Zielgruppe und Ausrichtung des MARK (d.h. explizit auch Menschen, die sich unterschiedlichen Subkulturen zugehörig fühlen bzw. die aufgrund ihres sozialen oder kulturellen Hintergrunds mit Benachteiligungen zu kämpfen haben) entstand bei manchen ein Bild, das ihnen unheimlich war: Menschen mit bunter Haut und Piercings, oft schwarz gekleidet, wilde Frisuren, manche auf den ersten Blick etwas ungepflegt, viele politisch aktiv oder zumindest nicht gewillt, Ungerechtigkeiten stillschweigend zu ertragen, engagiert für Tier- und Menschenrechte, Künstlerinnen und Künstler, die Musik machen, Skulpturen gestalten, großflächige Bilder malen oder Wände besprühen wollten.

In den „Hannakgründen“ fanden sich schließlich zwei Stockwerke in einem Gewerbegebiet, die durch und für den Verein mit finanzieller Unterstützung der Stadt Salzburg umgebaut und zu einem Kulturzentrum mit Veranstaltungssaal, Bar und Produktionsräumen umgebaut wurden. Wenngleich die Infrastruktur hervorragend ist und im MARK sehr viel kultureller Output entsteht, so haftet – aufgrund der eingangs beschriebenen geographischen Lage – trotzdem der Nimbus des „Peripheren“ an.

Das MARK liegt irgendwo dazwischen: Zwischen den größeren Kulturhäusern der Stadt und den Jugendzentren, zwischen dem Stadtzentrum und den Umlandgemeinden, zwischen Alternativ- und Subkultur.

Das Jahresprogramm zum Thema PERIPHERIE soll dieses „Dazwischen“ sichtbar machen – und in manchen Punkten vielleicht auch überbrücken.

 

Rückfragen an: presse@marksalzburg.at