Interview mit Julia Aichinger – MARK

Interview mit Julia Aichinger

10646823_717042415036496_7188423358912544503_nJulia Aichinger ist erst 18, hat aber künstlerisch bereits einen unverkennbaren Stil entwickelt. In ihren Illustrationen beschäftigt sie sich vor allem mit dem weiblichen Körper – weil Frauen einfach schön sind. Ironie und Provokation sind die Stilmittel mit denen sie auf Konfrontation geht und gerne mal harte Themen unbeschönigt auf den Punkt bringt. Tiefgründige Kunst mit einer frischen Prise spätpubertärer Rebellion.

Bei ihrer Vernissage „Strudel zum Überschwappen“ im MARK.freizeit.kultur begegne ich einer selbstbewussten jungen Künstlerin, die schon ganz genau weiß, was sie will.

mfk: Wie lange zeichnest du schon?

Julia Aichinger: Wieso fragt das jeder? Komische Frage! Ich zeichne seit ich ein Kind bin und habe nie damit aufgehört!

mfk: Woher holst du dir die Inspiration für deine Illustrationen?

Julia Aichinger: Ich lasse mich von anderen Künstlerinnen inspirieren, wie Xenia Hausner, Maria Lassnig und anderen Illustratoren, Blogs und Fotografien. Das Leben, Bücher, Magazine und die Musik.

mfk: Wenn du zeichnest, hast du immer eine konkrete Vorstellung, wie es zum Schluss aussehen soll?

Julia Aichinger: Ich arbeite nie mit Konzept. Ich arbeite einfach drauf los und schau was passiert.

mfk: Was willst du mit deinen Bildern ausdrücken?

Julia Aichinger: Es geht vor allem um meine eigenen Gefühle, die ich in den Bildern verarbeite und Sachen die mich bewegen. Ich stelle in meinen Bildern oft arge Sachen dar und will damit Leute – unbewusst – schockieren.

mfk: Deine Bilder thematisieren Gewalt, Vergewaltigung und viel Nacktheit. Provozierst du gern?

Julia Aichinger: Ja!

mfk: Warum?

Julia Aichinger: Menschen denken zu wenig darüber nach, was sie sehen. Zum Beispiel über Vergewaltigung. Sie wird nicht gesehen, obwohl sexuelle Gewalt gegen Frauen präsent ist. Ich weiß nicht, was in Menschen vorgeht, wenn sie meine Bilder sehen, aber ich will, dass sie über solche Themen nachdenken und sich damit auseinandersetzen.

mfk: Muss Kunst provozieren?

Julia Aichinger: Nein! Kunst kann auch einfach nur schön sein. Sie kann auch nur gefallen. Wie Landschaftsbilder.

mfk: Wie wichtig ist dir Nähe?

Julia Aichinger: Ich bin nicht so die Kuschelbeziehungsperson. Nähe ist mir nicht so wichtig. Meine Freunde sind mir sehr wichtig. Freundschaften sind meist stabiler als Beziehungen.

mfk: Macht es für dich einen Unterschied, ob du vor Freunden oder Fremden ausstellst?

Julia Aichinger: Natürlich! Vor Freunden auszustellen ist sehr intim. Es ist, wie wenn man sich auszieht oder sein Tagebuch offenlegt. Illustrieren ist für mich eine Projektionsfläche für meine Gedanken und Gefühle. In meinen Zeichnungen verarbeite ich alles, was ich sehe und höre.

mfk: Kennst du die Menschen, die du zeichnest?

Julia Aichinger: Nein! Natürlich male ich manchmal auch Freunde, wenn mich jemand fragt. Aber die Frauen, die ich male kenne ich nicht. Die meisten sind eine Zusammensetzung von verschiedenen Menschen oder einfach Fantasiemenschen. Oft inspirieren mich Frauen in Frauenmagazinen. Mir ist vor allem der Ausdruck wichtig. Sie sollen selbstbewusst wirken. Das ist in der Werbebranche oft so, dass Frauen selbstbewusst dargestellt werden, obwohl die Models eigentlich unterdrückt werden.

mfk: Ist es dir wichtig, dass die Frauen, die du malst, schön sind?

Julia Aichinger: Was ist Schönheit? Wer bestimmt wer schön ist? Nein, ich will nicht, dass die Frauen auf meinen Bildern einem Schönheitsideal entsprechen. Mir ist der Ausdruck wichtig.

mfk: Bist du Feministin?

Julia Aichinger: Ja, natürlich! Warum sind nicht alle Frauen feministisch? Ein Schwarzer sagt auch nicht, ich bin schwarz, aber Rassismus ist mir egal.

mfk: Was würdest du am aktuellen Frauenbild ändern?

Julia Aichinger: Es soll Gleichberechtigung herrschen. In der Werbebranche werden Frauen nur auf ihren Körper reduziert. Zieh’mas aus und leg’mas drauf und verkaufen das Produkt. Frauen sollen nicht reduziert werden, sondern als Personen gesehen werden. Eine Frau ist wertvoll und verdient Respekt.

mfk: Du besuchst den HTL Zweig Grafik und Kommunikation. Willst du in die Werbebranche?

Julia Aichinger: Definitiv Nein! Nein, auf keinen Fall!

mfk: Du machst nächstes Jahr Matura. Wie wird es danach weitergehen?

Julia Aichinger: Ich möchte danach ein freiwilliges soziales Jahre machen und danach studieren. Irgendwas mit Kunst. Und ich möchte natürlich weiterhin illustrieren, sonst geht es mir nicht gut.

Geführt wurde das Interview  von Doris Mair, Redakteurin vom MFK – Magazin für Kultur.