PRESSEAUSSENDUNG 01.04.2020

@ la signorina e il signor Monti
______________________________________________________________________________________________

Bangen, Zittern & schließlich ein Sieg für die Vernunft

Salzburg, 01. April 2020 

Nach langen drei Monaten des Bangens erhält das Kulturzentrum MARK endlich Klarheit. Die Jahresförderung der Stadt Salzburg ist zugesagt!

Die Vorgeschichte ist den meisten schon bekannt. Trotz des Budgetbeschlusses im vorigen Jahr wurden die Fördergelder der Stadt Salzburg im Frühjahr 2020 für das MARK unerwartet ausgesetzt. Vage Bedenken hatte hier plötzlich die Stadt-ÖVP geäußert. Als unmittelbare Folge davon bangte die Kultureinrichtung um ihre Existenz, denn die 60.000 Euro werden dringend zum Begleichen der Miete der Räumlichkeiten in der Hannakstraße 17 benötigt. Nun hat der Stadtsenat am Montag die Fördergelder für das MARK doch endgültig beschlossen.

Wie ist es nun dazu gekommen?


Der Entscheidung vorangegangen sind Vereinbarungen, die zwischen der Kulturabteilung der Stadt Salzburg und dem MARK getroffen wurden. So soll künftig noch transparenter ersichtlich sein, wann und unter welchen Bedingungen die Räumlichkeiten (Proberaum, Tonaufnahmeraum, Konzertsaal etc.) für externe Nutzer*innen aus der freien Kulturszene zur Verfügung stehen.

Geschäftsführer und künstlerischer Leiter Gerd Pardeller weist darauf hin, dass es natürlich auch in seinem Interesse ist, dass die Räumlichkeiten ausgelastet sind: „Schon bisher haben wir für unseren stark genutzten Bandproberaum auf der Homepage einen Kalender. Der Raum ist an 6 von 7 Abenden ausgelastet. Löcher gibt es verständlicher Weise an den Vormittagen. Wenn es für diese Zeiten noch interessierte Nutzer*innen gibt, freuen wir uns über Anmeldungen für die Zeit nach den Ausgangbeschränkungen.“ 

Klar ist aber auch, dass das MARK für manche Gruppen kein passender Ersatz ist. Für Tanz- oder Theatergruppen ist der Veranstaltungssaal mit seinen 110 Quadratmetern schlicht zu klein und auch zu niedrig. Hier wird sich die Stadt eine andere Lösung einfallen lassen müssen, um den Gruppen, die durch den abgeblasenen Ausbau der Rauchmühle nun ohne Probebühne dastehen. Und noch etwas gilt es zu bedenken. Auch wenn die Kultureinrichtung für junge Leute großen Wert auf Niederschwelligkeit legt, so ist es doch eine Gratwanderung, die hinsichtlich der Vereinbarungen mit den Fördergeber*innen zu meistern sind. 

Eine freie Kulturszene lebt von ihrer Autonomie. Erst im Herbst 2019 hat das MARK genau zu diesem Thema unter der Leitung von Kuratorin Christina Pürgy einen hochinteressanten Schwerpunkt gesetzt mit zahlreichen Diskussionen, Vorträgen und Workshops. Eine zu starke Einmischung durch die Fördergeber ist für die Arbeit in der freien Kulturszene sicherlich nicht förderlich – denn Vielfalt entsteht fern von Formularen, Verträgen und Statistiken über Raumauslastungen. Das MARK wird hier in enger Absprache mit anderen Kulturbetrieben und nicht zuletzt mit dem Dachverband Salzburger Kulturstätten versuchen, ein Prozedere zu entwickeln, das einerseits die Fragen der Fördergeber berücksichtigt, andererseits die so wichtige Unabhängigkeit der Kultureinrichtungen stärkt.

Vom Ingeborg Bachmann Preis bis zum Radelflicken


Mit 14.000 Besucher*innen im Jahr und über 300 Künstlern und Künstlerinnen, überwiegend aus dem Raum Salzburg, ist das MARK schon lange keine kleine Kulturinitiative mehr. Hier machen und machten national anerkannte Künstler*innen ihre ersten Bühnenerfahrungen. The Merry Poppins und Steaming Satellites sind nicht nur FM4-Hörer*innen bekannt, viele Salzburger*innen kennen die Bands von ihren ersten Konzerten und Jamsessions im MARK. Die Ingeborg Bachmann Preisträgerin Birgit Birnbacher hielt eine ihrer ersten Lesungen im MARK, bevor ihre Texte durch die Decke gingen und auch im Bereich der Malerei konnte das MARK schon einige Talente durch die monatlich stattfindenden Vernissagen befördern.

Dabei geht es im MARK aber nicht nur um die Entdeckung der großen Talente – auch wenn dies immer wieder geschieht – es geht um den ganz alltäglichen Kulturgenuss und austausch eng verflochten mit sozialen Aspekten und Aspekten des Empowerments. Das MARK ist Begegnungsort unterschiedlichster Generationen aber auch Kulturen. Hier kann gemeinsam gegessen werden, 2015 bis 2018 gab es auch regelmäßig persische Küche, hier entstanden Farsi-Deutsch-Sprachtandems und hier kann an Fahrrädern herumgeschraubt werden, bis sie wieder rund laufen.

MARK entspricht dem Kulturleitbild


Mit dieser Fülle an Angebot entspricht das MARK übrigens in zehn von zehn Punkten dem Kulturleitbild der Stadt Salzburg. Dennoch – und das ist das Absurde an dieser Kulturstadt – Ist das MARK immer wieder dazu gezwungen, um sein Überleben zu kämpfen. Die Förderung der Stadt Salzburg für das MARK werden jedes Jahr in Frage gestellt. Das MARK scheint ungewollt zum parteipolitischen Spielball geworden zu sein, denn die inhaltlich vorgebrachten Argumente laufen wie bereits dargestellt ins Leere. Hinzu kommt, dass die Fördersumme der Stadt Salzburg seit zehn Jahren gleich geblieben ist und nie valorisiert wurde. Dass das MARK dennoch so hochwertige gesellschafts- und kulturpolitische Arbeit leistet, ist nicht zuletzt der engen Zusammenarbeit zwischen dem MARK-Kernteam und dem breiten Netzwerk an ehrenamtlichen Unterstützer*innen zu verdanken. Dieses Zusammenwirken ermöglicht es dem Verein MARK für kulturelle und soziale Arbeit dennoch nicht – neben den vielen vielen ehrenamtlich geleisteten Stunden seine Mitarbeiter*innen nach dem „fair pay-Modell“ zu entlohnen.

Längerfristige Absicherung notwendig


Diese Arbeit und diesen Raum langfristig zu sichern sollte eigentlich ureigenes Interesse einer Kultur- und Menschenrechtsstadt wie Salzburg sein. Deshalb ist es das erklärte Ziel des MARK, mittelfristige Fördervereinbarungen über drei Jahre mit der Stadt zu erzielen. Mit dem Land Salzburg gibt es solche Vereinbarungen bereits. Auch der Bund fördert seit 2018 das Kunst und Kulturprogramm im MARK mit. Sollte da nicht die Stadt, in der das MARK Tag für Tag wirkt, endlich auch dessen Wert erkennen? Dank & Zusammenhalt

Zuletzt geht ein großes Dankeschön an alle Menschen, die das MARK in den letzten Monaten so tatkräftig unterstützt haben und ihre Solidarität und Wertschätzung ausgedrückt haben. Daraus konnte der Verein viel Energie und Mut schöpfen.

Das MARK ist aber nicht der einzige Kulturbetrieb, der von Kürzungen bedroht ist/war. Hinzu kommt, dass die Corona-Krise die Existenz zahlreicher Künstler und Künstlerinnen bedroht. Deshalb will das MARK gemeinsam mit der IG-Kultur und dem Dachverband der Salzburger Kulturstätten weiter für die Vielfalt der Kunst und Kultur in Salzburg und in Österreich kämpfen.

Das MARK Team

__________________________________________________________________________

Das Aussetzen der Fördergelder Ende Februar von Seiten der Stadt hat dem Mark einen gehörigen Schock verpasst. Plötzlich sollten 60.000 €, die dem Verein im vorherigen Jahr zugesprochen wurden, an neue Bedingungen geknüpft werden. Zwar stellten diese Bedingungen selbst nie das grundlegende Problem dar, doch tat es vielmehr der Zeitpunkt dieser Forderungen. Der Verein hat bis zum Zeitpunkt der Aussetzung schon Ausgaben kalkuliert und getätigt, die verbindlich an das zugesagte Geld geknüpft waren. Ganz zu schweigen von der Corona-Krise, die sich in den darauf folgenden Wochen enorm verschlimmerte und insbesondere für die freie Kulturszene noch komplett unvorhersehbare, vor allem finanzielle Konsequenzen bringen wird. Eine enorme Belastungsprobe für das MARK gezeichnet von der Ungewissheit, wie lange der Verein noch standhalten kann.
Mit dem 30.03.2020 – nach einem Monat Zitterpartie – erhielt der Verein nun doch die Zusage über die gesamte Fördersumme. Ein Aufatmen für den Vorstand, die Vollmitglieder, die Angestellten sowie für die Ehrenamtlichen des MARK. An dieser Stelle möchte sich der Verein für die positive Zusammenarbeit mit der Stadt und in ganz besonderem Maße für die großartige Solidarität, die vor allem in den sozialen Medien und durch die Online-Petition zum Ausdruck gekommen sind, von ganzem Herzen bedanken. Das MARK ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil der Salzburger Kulturszene. Wir hoffen, die Auswirkungen der aktuellen Pandemie gut zu überstehen – an dieser Stelle gilt unsere Solidarität allen von der Krise Betroffenen. Wir freuen uns jedenfalls schon auf die Zeit danach und darauf, euch bald wieder in unserem Haus begrüßen zu dürfen!


Mit liebsten Grüßen aus der Quarantäne,
Alexandra Krämer (Obfrau)

__________________________________________________________________________

Der Verein MARK für kulturelle und soziale Arbeit dankt allen Unterstützer*Innen, Entscheidungsträger*innen und allen die Ihre Solidarität bekundet haben und die nun positive Entwicklung möglich gemacht haben.

Wir haben unser digitales MARK auf Discord eröffnet – erstelle Dir einfach einen Account und komm an unsere virtuelle MARKbar von zu Hause aus!

Wir möchten Euch einen virtuellen Raum schaffen, in dem ihr Euch auch weiterhin – via Chat oder Sprachchat – unterhalten, plaudern und austauschen könnt.

Wie funktionierts:

Einfach auf www.discordapp.com gehen, App runterladen oder im Browser einen Account anlegen und unter folgendem Link: https://discord.gg/GWT58YU dem MARK beitreten.

Für geschäftliche und/oder wichtige Fragen kannst Du dich wie immer über E-mail oder telefonisch (Mo. – Fr. 09:00 bis 15:00) melden.

Danke, dass Du trotz der aktuellen Covid-19 Krise im MARK vorbeischaust #stayathome #zusammenschaffenwirdas #promarksalzburg

Wir freuen uns auf Euch, bleibt gesund und schaut aufeinander!