Referent*innen und Künstler*innen stellen ihre Projekte vor

Donnerstag, 14. Oktober

13 Uhr: Eröffnung durch Alexandra Krämer

13:30 – 15 Uhr: Agnes Menapace. Frauennotruf Salzburg im Lauf der Generation

Sexuelle Gewalt ist ein gesellschaftliches Phänomen –  Gesellschaften in unterschiedlichen Generationen und Kulturräumen gehen verschieden mit diesem kontroversen Thema um. Anhand der Erfahrung und zivilgesellschaftlichen Arbeit der österreichischen Notrufe sehen wir uns die gesellschaftliche Entwicklungen der letzten Jahrzehnte an und wollen dann gemeinsam Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunftszenarien dieses sensiblen Themas besprechen. 

15 – 17 Uhr: Workshops

  • Senior*innen präsentieren Ihr handwerkliches Wissen: Zaubertricks (Franz Höpflinger), Fotografie (Hannah Kneidinger)
  • Bike-Kitchen

17 – 19 Uhr: Marko Dinić. Lesung aus „Die guten Tage“

In einem Bus, dem täglich zwischen Wien und Belgrad verkehrenden „Gastarbeiter-Express“, rollt der Erzähler durch die ungarische Einöde. Jener Stadt entgegen, in der er aufgewachsen ist. Die Bomben, der Krieg, Miloševic, den er zuerst lieben, dann hassen gelernt hat, und der Vater, für dessen Ideologie und Opportunismus er nur noch Verachtung empfindet, hatten ihn ins Exil getrieben. Entkommen ist er dem Balkan auch dort nicht. In beeindruckenden Bildern erzählt Marko Dinic zwanzig Jahre nach dem Bombardement von Belgrad von einer traumatisierten Generation, die sich weder zu Hause noch in der Fremde verstanden fühlt, die versucht die eigene Vergangenheit zu begreifen und um eine Zukunft ringt.

19-20 Uhr: Volxküche

ab 20 Uhr: Anna Stadler & Lukas Gwechenberger. „Call me Lethe“ – ortsbezogene multimedialen Installation im Lift

Wer von dem Wasser der Lethe trinkt, so glaubte man, befreit sich von seinen Erinnerungen, indem diese auf das Wasser übergehen. Lethe steht dabei einerseits für das Vergessen, andererseits etymologisch auch für das Verborgene. In der interaktiven Audioarbeit, in der die Partizipierenden scheinbar von der KI „Lethe“ durch eine Vergessens-Meditation geleitet werden, triftet die Erzählerin Lethe immer mehr ab und stellt Überlegungen zum kollektiven Vergessen an. Neben wissenschaftlichen Theorien zum Vergessen fügen sich Erinnerungsfetzten unterschiedlicher Menschen und Assoziationen der KI ein, die schließlich selbst darüber nachzudenken beginnt, was die Menschen sie vergessen lassen werden.

Freitag, 15. Oktober

9 – 11 Uhr: Angela Bovo. Malwerkstatt mit den Kindern des Kindergarten Alterbach (Workshop)

9 – 11 Uhr: Alina Kugler. Mein Smartphone und Ich (Workshop)

Einstellungen, Apps und vieles mehr. Das Mobiltelefon ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken: ein Minicomputer, mit dem wir uns (fast) an jedem Ort in das Internet einloggen können. Dieser smarte Minicomputer soll uns das Leben erleichtern. Damit das so ist, braucht es entsprechend Wissen im Umgang mit den Anwendungen: Apps, Einstellungen und Begriffe sind Themen dieses Workshops. Wir sehen uns gemeinsam das Smartphone im Detail an. Maximale Teilnehmer*innen: 9 Personen

11:30 – 13 Uhr: Bernhard Behr, Demenzhilfe Salzburg. Umgang mit Demenz und Sensibilisierung

Über Demenz schwebt ein großes Damoklesschwert, weil man furchtbare Vorstellungen von dieser Krankheit hat. Alles ist immer mit diesem Schreckensbild der vollkommenen Isolation und des nicht mehr Erkennens verbunden. Es ist eine prozesshafte und natürlich fortschreitende, nicht reversible Erkrankung, aber sie bietet ganz viele Facetten. Das Thema Demenz wird in unserer Gesellschaft nach wie vor tabuisiert. Wir brechen dieses Tabu und treten in Dialog.

13:00 – 14:30 Uhr: Mittagspause

14:30 – 16:30 Uhr: Robert Obermair. Stadtrundgang „Erinnerungsorte an die NS-Zeit in Salzburg“

Der Rundgang führt uns vom Salzburger Hauptbahnhof in die Salzburger Altstadt. Anhand diverser Erinnerungsorte und Mahnmäler werden dabei verschiedene Aspekte der NS-Terrorherrschaft und der Erinnerung an diese Zeit thematisiert. Wir befassen uns dabei unter anderem mit den Themen Widerstand, Verfolgung, Vertreibung, NS-„Euthanasie“, Zwangsarbeit und der Salzburger Bücherverbrennung. Treffpunkt: Antifaschismusmahnmal vor dem Salzburger Hauptbahnhof (Südtirolerplatz)

Robert Obermair ist Historiker und Salzburger Netzwerkkoordinator für _erinnern.at_. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Zeitgeschichte an der Universität Salzburg und ist an einer Reihe von zeitgeschichtlichen Erinnerungsinitiativen und Forschungsprojekten mit Bezug auf die Zeit des Nationalsozialismus und deren Aufarbeitung in der Nachkriegszeit beteiligt.

17:00 – 18:30 Uhr: Bernadette Edtmair und Hasan Softić. Erinnerungen an den Nationalsozialismus (Vorträge und Diskussionen)

  • Schweigen und Sprechen in der Familie: Zum Umgang jüdischer NS-Opfer mit traumatischen Erlebnissen (Bernadette Edtmair) Nach Kriegsende konnten und wollten viele NS-Opfer nicht über ihre traumatischen Erlebnisse sprechen – besonders nicht mit ihren eigenen Kindern, die häufig zum Symbol für Überleben, Neubeginn und Zukunft wurden. Mit dem Schweigen wollten viele ihre Nachkommen schützen, doch gleichzeitig konnte das Schweigen eine Belastung für die Kinder darstellen. Ein Darüber-Sprechen gelang oft erst mit der Enkelgeneration. In diesem Vortrag wird die komplexe Thematik anhand einzelner ZeitzeugInneninterviews greifbar gemacht.

Bernadette Edtmaier studierte Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung (Universität Salzburg) sowie Bildnerische Erziehung (Universität Mozarteum). Forschungsaufenthalte in London, Berlin, Amsterdam und New Brunswick, NJ. 2019 erschien die gemeinsam mit Helga Embacher und Alexandra Preitschopf verfasste Monographie Antisemitismus in Europa. Fallbeispiele eines globalen Phänomens im 21. Jahrhundert. 2020 promovierte sie am Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg zur Frage, welche Bilder von Juden und Jüdinnen Jugendliche in Österreich haben. Bernadette Edtmaier lebt gegenwärtig als freiberufliche Historikerin in London, wo sie u.a. im Auftrag des Austrian Cultural Forum London Oral-History-Interviews mit ÖsterreicherInnen, die während der NS-Zeit nach Großbritannien fliehen konnten, durchführt.

  • Sommerfrische und „Anschluss“: St. Gilgen 1934 – 1945 (Hasan Softić) Mit Hilfe von Archivbeständen und Interviews mit Zeitzeugen und -zeuginnen wird die bisher unaufgearbeitete Geschichte des Nationalsozialismus im idyllischen St. Gilgen am Wolfgangsee anhand einzelner Episoden analysiert. Wesentlich erscheint dabei insbesondere, die Umstände des Ortes vor dem 12. März 1938 zu beleuchten, die Strukturveränderungen danach zu untersuchen sowie unterschiedliche Täter- und Opferperspektiven zu betrachten. Ein Schwerpunkt liegt darüber hinaus auf dem Kriegsende Anfang Mai 1945 und dem Spannungsfeld, das zwischen örtlichen SS-Angehörigen, Widerstandsgruppen und den anrückenden US-Truppen entstand.

Hasan Softić: Lehramtstudium Deutsch und Geschichte (Mag. phil. 2016) in Salzburg. Diverse Lehrtätigkeiten. Von 2017 bis 2018 wissenschaftlicher Projektmitarbeiter am Fachbereich Geschichte (Sound of Music World) sowie von 2017 bis 2019 Mitarbeit am Projekt Diskurse zum Holocaustgedenken, Juden und Israel unter Muslimen im Kontext von Islamfeindlichkeit. Seit 2017 Dissertationsstudium: Bosnisch-muslimische Communities in Linz, Wien und St. Louis nach 1995. Seit Februar 2021 Deutsch- und Geschichtelehrer.

ab 19:30 Uhr: Djordje Cenić. „Unten“ (Film und anschließendes Gespräch)

Der Dokumentarfilmer Djordje Čenić begibt sich auf eine autobiografische Zeitreise, die Mitte der Siebziger Jahre im jugoslawischen GastarbeiterInnenmilieu in Linz beginnt und ihn in sein kriegszerstörtes Heimatdorf im heutigen Kroatien führt. In teils absurd-komischen teils tragischen Episoden, die von kleinen Siegen und großen Niederlagen, von Heimweh und Klassengegensätzen handeln, gewährt er tiefe Einblicke in seine Familiengeschichte und illustriert den Spagat zwischen „oben“ und „unten“, der exemplarisch für Generationen von GastarbeiterInnen steht.

Samstag, 16. Oktober

9:30 – 11:30 Uhr: Lesungen der Autor*innen und Verkäufer*innen von Apropos

Lesungen eigener Texte von Evelyn Aigner, Georg Aigner, Laura Plazenberger, Luise Slamanig, Sonja Stockhammer. Die Möglichkeit, Fragen zu stellen, gibt es im Anschluss.

Moderation: Georg Aigner (Apropos)

11:30 – 13:00 Uhr: Hans Holzinger. Zukunftswerkstatt „Dialog der Generationen“

„Aus Betroffenen werden Beteiligte, aus Problemen werden Lösungen“ – so lässt sich das Motto von Zukunftswerkstätten umschreiben. Im Dialog auf Augenhöhe werden Zukunftsideen entwickelt und neue Zukunftswege beschritten. Wir steigen ein mit einer Wünscheleine zum Thema: Mein Wunsch an mich, an andere, an die andere Generation. Danach identifizieren wir Konfliktfelder zwischen den Generationen, formulieren daraus Zukunftsziele und brainstormen mögliche Ansätze für ein gelingendes Miteinander – auf persönlicher wie auf gesellschaftlicher Ebene. Die Zukunftswerkstatt lebt von den Erfahrungen, Meinungen, Ideen und Zukunftswünschen aller Mitwirkenden. Das heißt, sie ist kein Vortrag eines Experten, einer Expertin, sondern eben eine „Werkstatt“.  Es obliegt  den Teilnehmenden, die Ergebnisse in ihren beruflichen und privaten Alltag mitzunehmen. Wer weiß, vielleicht entsteht auch die eine oder andere Projektidee für das MARK? So hoffen wir auf eine möglichst bunte Gruppe, damit ein guter Dialog der Generationen gelingt.TN-Zahl: max. 15 – 20
Mag. Hans Holzinger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und pädagogischer Leiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen Nachhaltigkeit, Klimawandel, Zukunft der Arbeit und sozialen Sicherung sowie Transformationsforschung. Er arbeitet seit dreißig Jahren mit der vom Zukunftsforscher Robert Jungk entwickelten Methode der Zukunftswerkstatt und bietet auch Moderationsausbildungen an. Mit seinen 64 Lebensjahren zählt er sich mittlerweile zur Generation der Älteren und freut sich über das neue Engagement der Jungen, etwa in der Klima-, Menschenrechts -oder Tierschutzbewegung. Mehr: www.jungk-bibliothek.org

13 – 14 Uhr: Mittagspause

14:00 – 15:30 Uhr: Christina Pürgy. Tausend Jahre sind ein Tag – mit Tiefer Ökologie wieder heimisch in der Zeit werden (Workshop im Pfarrzentrum St. Severin)

Komm mit auf die Reise durch Raum und Zeit! Sich mit früheren und kommenden Generationen zu verbinden ist eine kraftvolle Erfahrungen um eine enkeltaugliche Welt mit zu gestalten. Wir lassen die Begrenztheit des wachstumsbesessenen Anthropozentrismus für einen Moment hinter uns. Und unser ökologisches Selbst taucht ein in GAIAs lange planetare Lebensgeschichte – Vergangenheit und Zukunft werden lebendig wie die Gegenwart! Und vielleicht hallt irgendwo in Dir sogar noch die Stimme von Udo Jürgens Pop-Ode an die Mehr-als-Menschliche-Evolution „Wasssss ist Zeeeeeiittt?“ Um seelisch gesund, geistig zuversichtlich und praktisch handlungsfähig zu bleiben, schöpft Christina Pürgy für Workshops und Selbsterfahrungsgruppen aus der Methodenquelle der Tiefen Ökologie (engl. The Work That Reconnectsoder Active Hopenach Joanna Macy et al).

16 – 18 Uhr: Fishbowl Diskussion über die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft

mit: Ubbo Gouschaal (Pfarre St. Severin), Laura Reppmann (ÖH Salzburg), Rafaela Fürlinger (Team Erde)

Moderation: Christina Pürgy

18:00 – 18:30 Uhr: Spaziergang der Gruppe 19

Der Spaziergang wird sich mit Sprache und lautlichen Reizen zwischen Maschinen und Dinosauriern beschäftigen. Frei nach der Vorstellung einer dadaistischen Sonate in Urlauten nähern sich Maschinen dem Dino-Gebrüll. Eine phantasievolle Spielform zwischen phonetischen Strukturen, körperlosen Stimmen und verzerrten Erzählungen begleitet den Weg vom Pfarrzentrum St. Severin ins MARK.
Die Frage nach den biologisch-kulturell Kleinsteinheiten des Ausdrucks wird unter dem Titel: Gen-Mem-Melange verhandelt.

18:30 – 19 Uhr: Abendpause im MARK

20:00 – 21:00 Uhr: Leonie Dehne. Transgenerationales Erinnern (Theaterprojekt)

In der Herausbildung der künstlerischen Persönlichkeit und insbesondere der Arbeits- und Forschungsweise, hangelt sich Leonie Dehne an der Psychologie, dem anzestralen Wissen, den lebendigen Formen und der Spiritualität verschiedener Kulturkreise entlang. Dabei übt sie Kritik an vorherrschende Machtstrukturen, welche von kolonialistischen, westlichen, patriarchalen, ideologischen Verfahren beherrscht werden. Diesen versucht sie mit medialer Kunst und Videotechnologie entgegenzuwirken, um andere Möglichkeiten der Weiterentwicklung plastisch zu machen. Gestützt wird dies von eigens verfassten Texten und der Einbeziehung von zeitgenössischem Tanz und Musik in die theatrale Darstellung.

ab 21:30 Uhr: Konzerte von Tom the One und Moscht

Tom the One / Thomas Mulitzer Der Autor und Sänger der Mundartband „Glue Crew“ lässt sich von vielfältigen Genres wie Austropop, Punkrock oder Ska inspirieren und präsentiert ein abwechslungsreiches Programm aus neuen und bekannten Songs. Mal humorvoll, mal nachdenklich, mal politisch – der Singer-Songwriter vereint mit seinen Liedern eingängige Melodien mit authentischer Mundart. Zuletzt erschienen die Glue-Crew-Alben „Straight Outta Pongau“und „Mundartpunk Forever“ auf Sbäm Records. Der neue Roman „Pop ist tot“ erscheint im August 2021 bei Kremayr & Scheiau.

Moscht ist ein Salzburger Mundart Liedermacher, der mit seiner Gitarre Wichtiges und Nichtiges vertont. Österreichischer (Anti-)Folk ohne Kitsch, dafür mit Ecken und Kanten. Songs zum Nachdenken, Bier trinken und Mitsingen.In der Salzburger Musikszene ist Martin schon länger unterwegs, früher als Gitarrist von Five Minute Fall, später unter dem Namen Waste of Ink und nun unter seinem Spitznamen Moscht. Nachdem er bei Five Minute Fall noch auf Englisch getextet hat, führte ihn der Weg über Hochdeutsch zum Dialekt. Warum? Weil es authentischer klingt.